Die folgenden Passagen vermitteln einen Überblick darüber, welche Entwicklungen wir für bestimmte wichtige Finanzkennzahlen erwarten. Diese Einschätzung fußt unter anderem auf unserer Bewertung des zukünftigen Fortgangs der Weltwirtschaft und der Finanzdienstleistungsbranche, die wir im Folgenden darstellen.
Für die nächsten Jahre erwarten wir, dass sich die Finanzlage der Allianz Gruppe weiter bessern wird.
Auf der Basis des um die außerordentlich günstige Entwicklung von Schäden aus Naturkatastrophen bereinigten Geschäftsergebnisses 2006 soll das operative Ergebnis bis zum Jahr 2009 um durchschnittlich 10 Prozent jährlich wachsen.
Die Combined Ratio in der Schaden- und Unfallversicherung soll während dieser Zeit im Schnitt unter einem anspruchsvollen Wert von 94 Prozent gehalten werden. Wir sind zuversichtlich, dass die Neugeschäftsmarge(1) in der Lebens- und Krankenversicherung durchschnittlich mehr als 3 Prozent beträgt. Die Rendite auf das risikoadjustierte Kapital bei der Dresdner Bank soll im Schnitt 15 Prozent übersteigen. Ferner erwarten wir für unser Asset Management, dass die Kapitalanlagen für Dritte jährlich durchschnittlich um 10 Prozent vor Wechselkurseffekten steigen.
Die Aussagen stehen unter dem Vorbehalt, dass Naturkatastrophen, widrige Entwicklungen an den Kapitalmärkten oder andere Faktoren, die auf der Seite Vorbehalt bei Zukunftsaussagen aufgeführt sind, unsere Prognosen mehr oder minder deutlich beeinträchtigen.
Wesentliche Investitionen
Am 18. Januar 2007 gab die Allianz SE ihre Absicht bekannt, die noch im Streubesitz befindlichen ausstehenden Aktien der Assurances Générales de France S.A. (kurz AGF beziehungsweise AGF Gruppe, wenn die Tochtergesellschaften dazugezählt werden) zu erwerben.
Am 28. Februar 2007 veröffentlichte außerdem die Allianz AZL Vermögensverwaltung GmbH & Co. KG, eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Allianz Deutschland AG (die hundertprozentige deutsche Versicherungsholding der Allianz SE) ihr Erwerbsangebot für die noch nicht im Besitz der Allianz befindliche Beteiligung von rund 9 Prozent an der Allianz Lebensversicherungs-Aktiengesellschaft (kurz Allianz Leben). Die Allianz AZL Vermögensverwaltung GmbH & Co. KG wird 750,00 Euro in bar je Allianz Leben Aktie bieten.
Am 22. Februar 2007 reichte die Allianz SE den Entwurf der Angebotsunterlage für ein öffentliches Erwerbsangebot an die AGF Aktionäre bei der französischen Kapitalmarktaufsicht Autorités des Marchés Financiers (AMF) ein. Die Annahmeperiode beginnt voraussichtlich am 23. März 2007. Das Angebot sieht eine Gegenleistung von 87,50 Euro und 0,25 Allianz Aktien je AGF Aktie vor. Diese Gegenleistung wird
erhöht, und zwar um den Betrag der Allianz SE Dividende für das Geschäftsjahr 2006, multipliziert mit 0,25, da die Allianz SE Aktien, die im Rahmen des Angebots ausgegeben werden, für das Jahr 2006 nicht dividendenberechtigt sind, beziehungsweise
reduziert um den Betrag einer Dividende auf die AGF Aktie, die nach dem 22. Februar 2007 ausgeschüttet, aber nicht an die Allianz SE bezahlt wird.
Der Verwaltungsrat der AGF begrüßt die geplante Transaktion. Um zu erreichen, dass die AGF vollständig übernommen werden kann, plant die Allianz SE direkt im Anschluss an das Erwerbsangebot einen Squeeze-Out. Für den Fall, dass ein Squeeze-Out nicht durchgeführt werden kann, sieht die Allianz eine grenzüberschreitende Verschmelzung der AGF auf die Allianz vor. Das Ende der Annahmefrist für das Barerwerbsangebot ist für den 20. April 2007 geplant.
Der Abschluss dieser Transaktionen ermöglicht uns, gruppenweite Initiativen einfacher umzusetzen und insgesamt unsere Stellung in unseren jeweiligen Segmenten und in unseren europäischen Kernmärkten zu stärken.
Die erforderliche Bargegenleistung für die beiden Transaktionen von rund 7,5 Milliarden Euro, die im Wesentlichen von der Annahme der Barerwerbsangebote abhängt, wird voraussichtlich durch interne Mittel der Allianz Gruppe finanziert. Die Allianz kann Zwischenkredite bei verschiedenen Finanzinstituten in Anspruch nehmen, bis die notwendige Liquidität zur Verfügung steht. Der Gegenwert der Allianz Aktien, die den AGF Aktionären angeboten werden, wird voraussichtlich 3 Milliarden Euro betragen. Insgesamt erwarten wir ein Transaktionsvolumen für die Minderheitenanteile an Allianz Leben und AGF von rund 10,5 Milliarden Euro.
Ausblick auf das Geschäftsjahr 2007 – Keine konjunkturellen Belastungen für Finanzdienstleister
Nach unserer Einschätzung wird 2007 die Dynamik der weltwirtschaftlichen Entwicklung etwas nachlassen. Sowohl die Industrieländer als auch die Emerging Markets werden im Schnitt um einen halben bis einen Prozentpunkt schwächer wachsen als 2006. Unsicherheiten gehen nach wie vor vom außenwirtschaftlichen Ungleichgewicht der USA aus. Da die Inflationsgefahr gering ist, rechnen wir nicht mit einer deutlich restriktiveren Geldpolitik; in den Vereinigten Staaten könnte der Leitzins eher gesenkt werden. Damit sind volkswirtschaftliche Rahmenbedingungen gegeben, die eher positiv auf das Geschäft von Finanzdienstleistern einwirken.
Leichte Abkühlung Unsere Volkswirte prognostizieren, dass die Weltwirtschaft 2007 um rund 3 Prozent wachsen wird; das ist ein halber Prozentpunkt weniger als im Vorjahr. Es kommt also nach der kräftigen Expansion in den vergangenen Jahren zu einer Atempause. Besonders dynamisch dürfte die Entwicklung wieder in den Emerging Markets sein; hier erwarten wir ein Plus von 5 3⁄4 Prozent. Das Wachstum in den Industrieländern veranschlagen wir auf 2 1⁄4 Prozent, nach knapp 3 Prozent im Vorjahr. Nach wie vor ist Asien der mächtigste Wachstumsmotor der Weltwirtschaft; hier erwarten wir ein Plus von gut 7 (8) Prozent. Die höchsten Expansionsraten werden wieder China (9 1⁄2 Prozent, nach 10,5 Prozent im Vorjahr) und Indien (8 Prozent, nach 9 Prozent 2006) erreichen. Die meisten anderen Volkswirtschaften Asiens dürften ihren Wachstumstrend des Vorjahres fortführen, allerdings mit Ausnahme Singapurs. Dort könnte die Rate von 7,5 Prozent (2006) auf 5 Prozent fallen. Für Japan erwarten wir eine unveränderte Dynamik der Wirtschaftsentwicklung von 2 (2,1) Prozent.
Wir meinen, dass sich die US-Konjunktur auf 2 1⁄2 (3,4) Prozent abkühlt, namentlich infolge des Zinsanstiegs und des Abschwungs auf dem Immobilienmarkt im Vorjahr. Auf einem ähnlichen Niveau dürfte sich auch das Wachstum in der EU (2,5 Prozent im Vorjahr) einpendeln. Unter den großen EU-Staaten wird nur Frankreich das Vorjahreswachstum (knapp) beibehalten. Dagegen wird die Dynamik der deutschen Volkswirtschaft merklich abnehmen; wir prognostizieren hier ein Wachstum von 1 3⁄4 (2,7) Prozent. Die Wachstumsdelle zum Jahresbeginn, die mit der Erhöhung der Mehrwertsteuer zusammenhängt, wird wohl im weiteren Jahresverlauf schwinden. Am stärksten dürfte der private Verbrauch unter der Steuererhöhung leiden. Gestützt wird die deutsche Konjunktur allerdings durch die gute Position deutscher Exportunternehmen, die von dem weiterhin dynamischen Welthandel profitieren.
Die Zinsbewegungen werden sich 2007 in Grenzen halten, da der Inflationsdruck abnimmt und die Konjunktur abkühlt. Damit sind für die Notenbanken Voraussetzungen dafür gegeben, die Zinsen allenfalls geringfügig zu erhöhen; in den USA erscheint sogar eine Zinssenkung möglich. Der US-Dollar wird eher schwach im Vergleich zum Euro notieren. Da die Gewinnperspektiven der Unternehmen nicht mehr ganz so gut sind wie 2006 und das Vorjahr kräftige Kurssteigerungen an den Börsen erlebt hat, sind wir für die Aktienmärkte nicht mehr so positiv gestimmt wie im Vorjahr.
Insgesamt gute Rahmenbedingungen für Finanzdienstleister
Die Geschäftsaussichten für Finanzdienstleister sind in diesem Umfeld verhalten positiv.
Die gesellschaftliche Alterung bei gleichzeitiger Absenkung der Versorgungsniveaus staatlicher Rentensysteme bleibt auf absehbare Zeit eine wichtige Triebfeder für die Lebens- und Krankenversicherung, privat und betrieblich. Da die staatlichen Pensionssysteme in vielen Ländern noch nicht oder unzureichend an die demographische Wirklichkeit angepasst wurden, bleiben die Zukunftsaussichten für Lebens- und Rentenversicherungen überaus positiv. Auch die Gesundheitssysteme müssen auf die Alterung eingestellt werden; angesichts der hohen Kosten im Alter sind höhere Eigenbeteiligungen der Patienten unvermeidlich. Dieser unumkehrbare Trend eröffnet privaten Krankenversicherern neue und zusätzliche Geschäftsmöglichkeiten.
Der hohe Vorsorgebedarf für Langlebigkeit, Gesundheit und Pflege macht es erforderlich, dass die Bürger während ihres Erwerbslebens verstärkt für das Alter sparen. Davon profitiert das Asset Management. Dieser Geschäftszweig ist in den USA und in Europa bereits gut entwickelt, nicht zuletzt deswegen, weil die geburtenstarken Nachkriegsjahrgänge seit geraumer Zeit Vermögen für das Alter aufbauen. Nun rückt Fondssparen auch in Asien ins Blickfeld, denn hier sind die demographischen Probleme ähnlich gravierend, und viele Schwellenländer erleben Einkommenszuwächse, die den Vermögensaufbau für das Alter ermöglichen.
Die Schaden- und Unfallversicherung ist durch einen äußerst intensiven Wettbewerb gekennzeichnet. Er hat dazu geführt, dass in einzelnen Ländern oder Geschäftszweigen der Kampf um Marktanteile auf Kosten der Marge geführt wird. Die wirtschaftliche Aufwärtsentwicklung und insbesondere Asien mit seiner Wachstumsdynamik bieten Sachversicherern interessante neue Geschäftsmöglichkeiten.
Banken, deren Geschäft konjunkturempfindlicher ist als das Versicherungsgeschäft und die 2006 ein sehr gutes Geschäftsjahr erlebten, werden 2007 bei einer abflachenden Wirtschaftsexpansion wohl Abstriche machen müssen. Dem Kreditgeschäft trauen wir keine zusätzlichen Impulse zu, da die Nachfrage der privaten Haushalte insbesondere im Wohnungsbau zurückgehen dürfte.
(1) Neugeschäftsmarge gemäß Definition des European Embedded Value