GESCHÄFTSBERICHT 2007
Insurance | Asset Management | Banking
Aktionär Unternehmen Erfolgsfaktoren Geschäftsverlauf Konzernabschluss

Interner Risikokapitalrahmen

Internes Risikokapital sind für uns jene Finanzmittel, die erforderlich sind, um uns gegen unerwartete, extreme wirtschaftliche Verluste zu schützen. Das interne Risikokapital wird segmentübergreifend zusammengeführt (Schaden-und Unfallversicherung, Lebens- und Krankenversicherung, Bankgeschäft, Asset Management und Corporate). Die Risiken unterschiedlicher Aktivitäten eines integrierten Finanzdienstleisters, wie die Allianz es ist, werden innerhalb eines gemeinsamen Rahmens gemessen und miteinander verglichen.

Value-at-Risk-Ansatz

Unser internes Risikokapitalmodell beruht auf einem Value-at-Risk(VaR)-Ansatz. Er bestimmt den maximalen Wertverlust der durch das Modell abgedeckten Geschäftsbereiche innerhalb eines bestimmten Zeitraums (Haltedauer) und einer bestimmten Wahrscheinlichkeit (Konfidenzniveau), hervorgerufen durch ungünstige Kapitalmarktbedingungen, Kreditausfälle, Versicherungsverluste und andere Geschäftsereignisse. Wir berechnen den Nettomarktwert unserer abgedeckten Geschäfte einmal unter den gegenwärtigen Bedingungen und ein weiteres Mal als nachteiligen Wert unter ungünstigen Umständen, die durch Szenarien für jede Risikokategorie bestimmt werden. Anschließend wird die Differenz zwischen den beiden Bewertungen bestimmt; sie zeigt an, wie hoch das interne Risikokapital je Risikokategorie ist. Das interne Risikokapital wird jeweils für jedes Quartal festgelegt. Es wird sodann unter Berücksichtigung der Diversifikationseffekte über Risikokategorien und Regionen zusammengeführt.

Zur Berechnung des internen Risikokapitals mittels des VaR-Ansatzes verwenden wir ein Konfidenzniveau von 99,97 Prozent und eine Haltedauer von einem Jahr. Solche Annahmen entsprechen einem "AA"-Rating nach Standard & Poor's. Wir haben uns für diese Haltedauer entschieden, weil allgemein veranschlagt wird, dass es maximal ein Jahr lang dauert, bis ein Kontrahent gefunden ist, der die Verbindlichkeiten in unserem Portfolio übernimmt. Der so ermittelte Kapitalbedarf reicht also aus, um ein Jahr lang einen Verlust zu decken, der in drei von 10 000 Jahren eintreten wird. Obwohl unser internes Risikokapital stark darauf abhebt, dass Ereignisse mit extremen Auswirkungen eintreten, ermöglicht es doch auch die Steuerung von Risiken, die kleinerer Natur sind und möglicherweise in näherer Zukunft auftreten. Das ist uns möglich, weil unser System sämtliche Risiken, gleich welchen Ursprungs, separat und innerhalb einer Gesamtschau zu analysieren vermag.

Diversifikations- und Korrelationsannahmen

Wenn unser internes Risikokapitalmodell Ergebnisse gruppenweit zusammenfasst, berücksichtigt es Korrelation und Konzentration, denen zufolge potenzielle Verluste wahrscheinlich nicht alle gleichzeitig entstehen. Das ist der sogenannte Diversifikationseffekt. Seine Steuerung ist ein zentraler Bestandteil unseres Risikomanagements. Wir arbeiten darauf hin, dass Auswirkungen von Risiken gleichen Ursprungs eingeschränkt sind, und wollen gleichzeitig gewährleisten, dass der positive Geschäftsverlauf an einer Stelle die negative Entwicklung an anderem Ort neutralisiert.


Wieweit Diversifikation nutzbar gemacht werden kann, hängt teilweise davon ab, wie hoch die jeweilige relative Risikokonzentration ist. Die höchste Diversifikation erreicht ein Portfolio, das keine unverhältnismäßig großen Risiken enthält und ausgewogen ist. Ferner hängt der Erfolg des Diversifikationseffekts vom Verhältnis der Risiken untereinander ab. Wie dieses Verhältnis zweier Risiken beschaffen ist, nennt man Korrelation. Sie wird zwischen den Werten "-1" und "+1" gemessen. Wo immer möglich, entwickeln wir Korrelationsparameter für jedes Risikopaar, indem wir historische Daten statistisch analysieren. Falls diese Daten nicht in ausreichender Menge vorliegen, arbeiten wir mit Schätzungen unserer Fachleute. Sie sind konservativ angelegt und schließen negative Korrelationen aus. Die Korrelationsparameter werden so festgelegt, dass daran abzulesen ist, wie hoch die wechselseitige Abhängigkeit unter ungünstigen Bedingungen ist.

 

Umfang

Unser internes Risikokapitalmodell berücksichtigt die folgenden Risikoquellen, eingestuft nach Risikokategorien je Segment.

Unser internes Risikokapitalmodell umfasst im Wesentlichen die folgenden Bereiche:


Für kleinere operative Versicherungseinheiten, die eine unwesentliche Auswirkung auf das Risikoprofil der Gruppe haben, und für das Asset Management stützt sich unsere Zuordnung der internen Risikokapitalanforderungen auf den Standardansatz der Rating-Agentur Standard & Poor's. Dieser wird in die Risikokategorien unseres internen Risikokapitalmodells eingebettet. Das versetzt uns in die Lage, innerhalb unseres internen Risikokapitalrahmens das Risikokapital für alle Segmente gruppenweit konsistent zusammenzufassen. Etwa 99 Prozent des im Segment Asset Management verwalteten Vermögens werden für Dritte oder Allianz Versicherungseinheiten gehalten. Sie bergen also keine wesentlichen Markt- und Bonitätsrisiken für dieses Segment. Daraus ergibt sich, dass die internen Risikokapitalanforderungen für das Asset Management nur Geschäftsrisiken abbilden. Fast das gesamte interne Risikokapital unseres Bankgeschäfts, nämlich 96 Prozent, bezieht sich auf die Dresdner Bank. Deshalb geht die folgende detaillierte Betrachtung des Bankgeschäftsrisikos ausschließlich auf die Dresdner Bank ein.

Wir fordern von unseren operativen Einheiten, dass sie ihre wesentlichen Vermögenswerte und Verbindlichkeiten hinsichtlich der Währungen aneinander anpassen oder allgemein offene Währungsrisiken anderweitig absichern. Daraus ergibt sich, dass unser verbleibendes Währungsrisiko in erster Linie aus dem beizulegenden Nettovermögenswert unserer Einheiten besteht, die nicht in Euro berichten, sowie aus einigen Vermögenswerten und Verbindlichkeiten, die auf Gruppenebene gehalten und nicht in Euro geführt werden. Dieses Fremdwährungsrisiko wird von der Abteilung Group Corporate Finance & Treasury zentral gesteuert und ist daher überwiegend dem Segment Corporate zugeordnet.

Einschränkungen

Unser internes Risikomodell stellt den potenziellen Betrag dar, den wir "im schlimmsten Fall", also unter besonders ungünstigen Bedingungen, verlieren könnten, jedoch nur für ein bestimmtes Konfidenzniveau. Es besteht jedoch eine statistisch geringe Wahrscheinlichkeit von 0,03 Prozent, dass die tatsächlichen Verluste diese Schwelle überschreiten.

Nach unserer Auffassung eignen sich die Modellparameter, die aus historischen Daten abgeleitet sind, für die Darstellung möglicher künftiger Risikoereignisse. Sollten Marktbedingungen stark von bisherigen Entwicklungen abweichen, wie etwa in der beispiellosen Kreditkrise im Berichtsjahr 2007 beobachtet, kann es sein, dass unser VaR-Ansatz zu hoch oder zu niedrig ist. Wir können die Modellgenauigkeit nur unzureichend mit der tatsächlichen Entwicklung in der Vergangenheit vergleichen, weil wir uns für ein hohes Konfidenzniveau von 99,97 Prozent und eine einjährige Haltedauer entschieden haben. Da das Modell historische Daten verwendet, kann es nicht gleichzeitig an diesen überprüft werden. Stattdessen lassen wir Modell und Parameter durch unabhängige externe Beratungsfirmen testen, die darauf spezialisiert sind. Insgesamt meinen wir, dass unser Modell unsere Risiken angemessen bewertet.

Weil unser internes Risikokapitalmodell darauf abhebt, wie der beizulegende Barwert unserer Vermögenswerte und Verbindlichkeiten sich ändert, muss dieser Barwert für jeden Posten bestimmt werden. Für bestimmte Vermögenswerte und Verbindlichkeiten, für die es keinen Marktpreis gibt, verwenden wir einen "Mark to Model"-Ansatz. Die Genauigkeit der beizulegenden Barwerte hängt bei unseren Verbindlichkeiten außerdem davon ab, wie zutreffend die geschätzten Zahlungsströme aus der Abwicklung der versicherungstechnischen Reserven sind. Trotz dieser Einschränkungen halten wir die geschätzten beizulegenden Zeitwerte für insgesamt angemessen bewertet.


Für Derivate verwenden wir Bewertungsmodelle, die grundsätzlich unsere Derivate im internen Risikokapitalmodell abbilden können. Gegenwärtig kann das interne Risikokapitalmodell im Versicherungsgeschäft nur herkömmliche Derivate wie Aktienkauf- und -verkaufsoptionen, Terminkontrakte und Zinsswaps modellieren. Damit sich komplexere Instrumente in den integrierten internen Risikokapitalrahmen einbeziehen lassen, etwa Derivate, die in strukturierte Finanztransaktionen eingebettet sind, werden sie im Modell durch diejenigen Standardderivate abgebildet, die ihnen am ähnlichsten sind. Das Volumen dieser komplexen, nichtstandardisierten Instrumente ist bei der Allianz unerheblich, sowohl auf lokaler als auch auf Gruppenebene. Dennoch kann sich eine präzisere Modellierung der Instrumente auf den beizulegenden Zeitwert der Derivate und das interne Risikokapital auswirken. Wir sind jedoch der Ansicht, dass eine solche Veränderung unerheblich wäre.