Das interne Allianz Risikokapitalmodell spielt im Solvenzmanagement und bei der Kapitalzuteilung eine bedeutende Rolle. Wir wollen sicherstellen, dass die Allianz Gruppe jederzeit angemessen kapitalisiert ist, selbst nach einem maßgeblichen nachteiligen Ereignis, und dass unsere gesamten operativen Einheiten ihre jeweiligen Kapitalanforderungen erfüllen. Ferner verwenden wir unter anderem einen wertorientierten Ansatz (Economic Value Added, kurz EVA®) zur Messung und zur Steuerung unserer Geschäftstätigkeiten sowie zur Optimierung unserer Kapitalzuteilung in der gesamten Allianz Gruppe. Das interne Risikokapital ist einer der wichtigsten Parameter unseres EVA-Ansatzes.
Außerdem berücksichtigen wir zusätzliche externe Anforderungen von Aufsichtsbehörden und Rating-Agenturen bei der Steuerung unserer Kapitalposition. Im Gegensatz zur Einhaltung der Kapitalanforderungen der Rating-Agenturen als strategischem Geschäftsziel der Allianz Gruppe stellen die durch unsere Aufsichtsbehörde auferlegten Kapitalanforderungen eine bindende Auflage dar. Den Anforderungen der Aufsichtsbehörden und der Rating-Agenturen an eine Mindestkapitalausstattung unterliegen sowohl unsere operativen Einheiten als auch die Allianz Gruppe insgesamt.
Unser Ziel ist es, die Kapitalausstattung der Gruppe zu gewährleisten, und zwar über die Mindestanforderungen hinaus, die unser internes Risikokapitalmodell mit einer Solvenzwahrscheinlichkeit von 99,97 Prozent während einer Haltedauer von einem Jahr vorgibt. In dieser Absicht fordern wir von unseren operativen Einheiten, dass sie genügend Risikokapital vorhalten, um bei einem leicht geringeren Konfidenzniveau von 99,93 Prozent und einer ebenfalls einjährigen Haltedauer solvent zu bleiben. Dadurch kommen die Vorteile zum Tragen, die unseren operativen Einheiten aus der Zugehörigkeit zu einer großen diversifizierten Unternehmensgruppe erwachsen.
Das verfügbare Kapital der Allianz Gruppe besteht aus dem veröffentlichten Eigenkapital, das aber im Hinblick auf die vollständig verfügbare wirtschaftliche Kapitalbasis berichtigt wird, damit die Risikotragfähigkeit unter unerwarteten Schwankungen der Geschäftsentwicklung tatsächlich wiedergegeben wird. So werden beispielsweise der Gegenwartswert künftiger Gewinne in der Lebens- und Krankenversicherung sowie nachrangige Verbindlichkeiten dem Eigenkapital hinzugefügt, der Firmenwert und andere immaterielle Vermögenswerte dagegen vom Eigenkapital abgezogen.
Unsere Kapitalausstattung belief sich zum Jahresende 2007 auf 63,8 (70,2) Milliarden Euro; die internen Kapitalanforderungen betrugen 33,4 (35,8) Milliarden Euro. Daraus ergibt sich zum 31. Dezember 2007 eine Kapitalausstattungsquote, die mit 191,0 (196,1) Prozent angemessen ist. Die Kapitalausstattung verringerte sich gegenüber dem Vorjahreswert vornehmlich deshalb um 9,1 Prozent, weil das Eigenkapital aufgrund der Übernahme ausstehender Minderheiten an der AGF durch die Allianz gesunken ist.
Das interne Risikokapital der Allianz Gruppe betrug zum Jahresultimo 2007 33,4 Milliarden Euro. In dieser Zahl ist ein realisierter Diversifikationseffekt von etwa 54 Prozent enthalten. Das nichtdiversifizierte und das gruppenweit diversifizierte interne Risikokapital unterteilten sich wie folgt:
Laut EU-Finanzkonglomeraterichtlinie, einer ergänzenden Richtlinie der Europäischen Union, versteht der Gesetzgeber unter einem Finanzkonglomerat eine Finanzholding und ihre Tochtergesellschaften, die grenzüberschreitend und branchenübergreifend aktiv sind. Bei der Allianz Gruppe handelt es sich nach dieser Richtlinie und den ausführenden deutschen Gesetzen um ein Finanzkonglomerat. Das Gesetz verlangt, dass ein Finanzkonglomerat die Erfüllung der Solvabilitätsanforderung auf konsolidierter Basis berechnet.
Zum 31. Dezember 2007 belief sich das anrechnungsfähige Kapital für die Solvabilitätsanforderung für unsere Versicherungssegmente sowie unser Bank- und Asset-Management-Geschäft auf 45,5 (49,51)) Milliarden Euro einschließlich außerbilanzieller Rücklagen2). Damit wurden die gesetzlichen Anforderungen um 16,6 (23,4) Milliarden Euro überschritten. Aus dieser Marge ergibt sich zum 31. Dezember 2007 eine vorläufige Deckungsquote3) von 157 (190) Prozent. Das anrechnungsfähige Kapital verringerte sich gegenüber dem Vorjahreswert vornehmlich deshalb um 8,1 Prozent, weil das Eigenkapital aufgrund der Übernahme ausstehender Minderheiten an der AGF durch die Allianz gesunken ist. Weitere Informationen zu Kapitalanforderungen finden sich unter Ziffer 23 im Konzernanhang.
Rating-Agenturen wenden ihre eigenen Modelle zur Feststellung des Verhältnisses zwischen erforderlichem Risikokapital und verfügbarer Kapitalausstattung eines Unternehmens an. Die Bewertung der Kapitalausstattung ist üblicherweise ein wesentlicher Bestandteil des Ratingprozesses. Die finanzielle Stärke der Allianz Gruppe wurde zum Jahresende 2007 von Standard & Poor's mit "AA" (Ausblick stabil), von A.M. Best mit "A+" (Ausblick stabil) und von Moody's mit "Aa3" (Ausblick stabil) eingestuft. Nach dem 31. Dezember 2007 änderte Standard & Poor's die Einstufung der Dresdner Bank ("A+") von Ausblick stabil auf Ausblick negativ.
Neben der geläufigen Bonitätseinstufung hat Standard & Poor's eine neue Ratingkategorie für Enterprise Risk Management (ERM) eingeführt, die separat bewertet wird. Anhand dieser Kategorie analysierte Standard & Poor's 2006 und 2007 unser Risikomanagement. Zurzeit bewertet die Agentur das ERM im Allianz Versicherungsgeschäft mit der Note "Strong". Gemäß diesem Rating hält Standard & Poor's es für "unwahrscheinlich, dass Allianz SE Verluste außerhalb ihrer Risikotoleranz erleiden wird". Die Rating-Agentur bezieht sich nach eigenen Angaben dabei auf unsere starke Risikomanagementkultur, unsere strenge Überwachung der wichtigsten Risiken und unser ausgeprägtes strategisches Risikomanagement.
Neben unserer internen Risikokapitalanalyse führen wir regelmäßig Stresstests durch, sowohl für die Gesamtgruppe als auch für lokale operative Einheiten. Sie dienen als Frühwarnindikatoren zur Einhaltung der jeweiligen gesetzlichen Solvabilitäts-Kapitalanforderungen und der von den Rating-Agenturen vorgeschriebenen Kapitalausstattung.
So ergaben beispielsweise Stresstests auf Gruppenebene, dass ein zehnprozentiger Kursrückgang unseres unter Available for Sale verbuchten Aktienportfolios zum Jahresende 2007 das Eigenkapital um 2,7 Milliarden Euro verringert hätte, vor Abzug der Anteile unserer Minderheitsaktionäre. Sofern man annähme, dass die Zinsen um 100 Basispunkte gestiegen wären, wäre unser Eigenkapital zum Jahresultimo 2007 unter der Berücksichtigung der als Available for Sale verbuchten festverzinslichen Wertpapiere um 3,6 Milliarden Euro geschrumpft, wiederum vor Abzug der Minderheitenanteile.