Es gibt bestimmte Risiken, die für die Verwendung in unserem internen Risikokapitalmodell nicht hinreichend quantifiziert werden können. Um diese Risiken zu identifizieren, zu analysieren, zu bewerten und zu überwachen, verfolgen wir einen systematischen Risikobewertungsansatz. Er stützt sich im Allgemeinen auf qualitative Kriterien oder Szenarioanalysen. Zu den wichtigsten dieser sonstigen Risiken zählen das Liquiditäts-, das Reputations- und das strategische Risiko.
Liquiditätsrisiko
Darunter verstehen wir das Risiko, dass das Unternehmen seinen kurzfristigen oder künftigen Zahlungsverpflichtungen nicht oder nur unter geänderten Bedingungen nachkommen kann. Es umfasst ferner das Risiko, dass im Fall einer Liquiditätskrise Refinanzierungsmittel nur zu erhöhten Zinssätzen beschafft beziehungsweise Aktivposten nur mit Abschlägen liquidiert werden können. Dieses Risiko kann insbesondere aus Inkongruenzen zwischen der Fälligkeit von Zahlungseingängen und Finanzierungsverpflichtungen entstehen. Zum Liquiditätsrisiko gehört nicht das Risiko einer Änderung der Markpreise aufgrund einer Verschlechterung der Marktliquidität von Aktiva, weil dieses Risiko als Bestandteil des Marktrisikos durch unser internes Risikokapitalmodell analysiert wird (so ziehen wir beispielsweise die historische Entwicklung heran, um die Wertschwankungen von Immobilienanlagen zu bewerten). Das Refinanzierungsrisiko, das eine bestimmte Form des Liquiditätsrisikos ist, entsteht, wenn die erforderliche Liquidität zur Finanzierung illiquider Vermögenspositionen nicht zu den erwarteten Bedingungen und nicht rechtzeitig zur Verfügung steht.
Corporate Im Segment Corporate entstehen Liquiditätsrisiken vornehmlich aus Kapitalanforderungen der Tochtergesellschaften und aus der Notwendigkeit, fällig werdende strategische Finanzierungsverbindlichkeiten zu refinanzieren. Die Liquiditätsposition der Allianz SE wird täglich überwacht und dem Vorstand regelmäßig vorgelegt. Die wichtigsten Instrumente zur Begrenzung eines unvorhergesehenen Liquiditätsbedarfs sind verbindlich zugesagte Kreditlinien von Banken, Finanzierung über Commercial Papers, mittelfristige Kreditvergabeprogramme, Zugang zum Repo-Markt sowie interne Ressourcen (konzerninterne Darlehen und ein internationaler Cashpool).
Schaden- und Unfall- sowie Lebens- und Krankenversicherung Unsere Versicherungsgesellschaften steuern das Liquiditätsrisiko lokal. Sie verwenden dabei lokale Systeme zum Management von Forderungen und Verbindlichkeiten, die sicherstellen, dass diese Positionen auf geeignete Weise aufeinander abgestimmt werden. Bis zu einem gewissen Grad ähneln unsere Konzepte zur Ermittlung der aus unseren Verbindlichkeiten resultierenden Zahlungsströme in der Schaden- und Unfallversicherung den Methoden zur Festlegung von Reserven.
Das Liquiditätsrisiko in diesen Geschäftssegmenten ist ein Sekundärrisiko, das nach Eintritt externer Ereignisse, etwa einer Naturkatastrophe, wirksam wird. Solche Ereignisse werden in der Regel in unserem internen Risikokapitalmodell ausgewiesen. Daher tragen die Begrenzung und die Überwachung der damit verbundenen Primärrisiken (zum Beispiel durch Rückversicherungen) ebenfalls zur Eindämmung des daraus herrührenden Liquiditätsrisikos bei. Darüber hinaus bietet die Qualität unserer Kapitalanlagen ein gewisses Maß an Sicherheit, den erhöhten Liquiditätsbedarf nach eher unwahrscheinlichen Ereignissen zu decken. Außerdem ist zu berücksichtigen, dass nach einem außergewöhnlichen Ereignis in der Regel ein Teil der anfallenden Zahlungen erst nach einer gewissen Frist geleistet werden muss. Dadurch verringert sich das Risiko, dass kurzfristige Zahlungsverpflichtungen nicht einzuhalten sind. Wir wenden versicherungsmathematische Methoden zur Schätzung unserer Verbindlichkeiten aus Versicherungsverträgen an. Im Zuge unserer standardisierten Liquiditätsplanung stimmen wir die Zahlungsströme aus unserem Anlageportfolio mit den Schätzungen für die aus unseren Verbindlichkeiten resultierenden Zahlungsströme ab. Diese Analysen werden für die einzelnen Gesellschaften durchgeführt und auf Gruppenebene zusammengeführt. Überschüssige Liquidität wird von der Gruppe in einem zentralen Pool verwaltet und kann bei Bedarf einzelnen Gesellschaften zugewiesen werden.
Bankgeschäft In diesem Segment ist die Finanzabteilung für das Liquiditätsmanagement zuständig, während die Risikoabteilung für die Überwachung des Liquiditätsrisikos für aufsichtsrechtliche und interne Zwecke verantwortlich ist. Die Überwachung des Liquiditätsrisikos umfasst einen Berichtsprozess zur Begrenzung von Verstößen und Rückstellungen für die Notfallplanung. Das Liquiditätsrisiko wird auf der Grundlage des Dresdner-Bank-Liquiditätsmanagementsystems gemessen. Es erstellt Modelle für die Fälligkeit aller Zahlungsströme, und zwar unter diversen Szenarioannahmen, und ein Fälligkeitsfehlanpassungsprofil (etwa Netto-Zahlungsströme für unterschiedliche Fälligkeiten). Dabei werden verfügbare Wertpapiere mit erstklassigem Rating als zusätzliche Liquiditätsquelle berücksichtigt. Anhand festgelegter Beschränkungen für Liquiditätsdeckungslücken wird das kurzfristige Liquiditätsrisiko gesteuert. Zur Beherrschung des mittel- und langfristigen Liquiditätsrisikos für Fälligkeiten von mehr als einem Jahr werden Begrenzungen des Deckungsgrads festgelegt.
Asset Management Wir begrenzen das Liquiditätsrisiko, indem wir Zahlungsströme aus unserem Geschäftsbetrieb mit der Verpflichtung, unsere Verbindlichkeiten zu begleichen, fortlaufend abgleichen. Liquiditätsprognose und -management sind ein fortlaufender Prozess, der dazu dient, sowohl die aufsichtsrechtlichen Anforderungen als auch die Standards der Allianz Gruppe zu erfüllen.
Reputationsrisiko
Das Reputationsrisiko ist das Risiko eines direkten Verlustes oder eines Verlustes an zukünftigem Geschäftsvorlumen, das aus einem Ansehensverlust der Allianz Gruppe insgesamt oder einer oder mehrerer ihrer Gesellschaften bei Anspruchsberechtigten, Aktionären, Kunden, Mitarbeitern, Geschäftspartnern oder der Öffentlichkeit erwächst. Zum einen kann jede Maßnahme, jedes bestehende oder neue Geschäft wie auch jedes Produkt entweder direkt oder indirekt zu Ansehensverlusten führen und außerdem Verluste in anderen Risikokategorien anstoßen. Zum anderen kann jeder Verlust der Allianz in anderen Risikokategorien ein Reputationsrisiko darstellen, unabhängig davon, wie hoch dieser Verlust war. Das Reputationsrisiko kann also Verluste in weiteren Risikokategorien, darunter Markt- und Kreditrisiken, verursachen oder selbst durch Verluste in anderen Riskokategorien erst hervorgerufen werden.
Group Risk ermittelt und bewertet dieses Risiko qualitativ im Rahmen einer systematischen vierteljährlichen Bewertung. Auf dieser Grundlage erstellt Group Risk einen Überblick über die lokalen und globalen Risiken einschließlich der Reputationsrisiken, analysiert das Risikoprofil der Allianz Gruppe und informiert die Geschäftsleitung regelmäßig über den Stand der Dinge.
Strategisches Risiko
Das strategische Risiko ist das Risiko einer unerwarteten nachteiligen Veränderung im Unternehmenswert, die dadurch entsteht, dass Managemententscheidungen über die Geschäftsstrategie oder deren Umsetzung negative Folgen haben. Zu diesem Risiko gehören die folgenden Einzelelemente: das strategische Ziel, die einzelnen Geschäftsstrategien, um das übergeordnete Ziel zu erreichen, und die dafür eingesetzten Ressourcen. Auch die Fähigkeit des Managements, externe Faktoren zu erkennen, die auf die künftige Ausrichtung einer bestimmten operativen Einheit Einfluss nehmen, und auf solche Einflüsse zieladäquat einzuwirken, gehört zum strategischen Risiko.
Das strategische Risiko wird vierteljährlich auf dieselbe Weise wie das Reputationsrisiko bewertet und analysiert.